Alltagsgeschichten

Der ganz normale Alltag

Ingeborg Eichbaum berichtet über ihren Alltag im Lebeheim St. Ludgeri, die vielen Betreuungsangebote und über kleine Eifersüchteleien.

Als Ingeborg Eichbaum vor sechs Jahren nicht mehr alleine zuhause leben konnte, da hatte sie noch keine Vorstellung über ein Altenheim und was es so bietet. Ihren Kindern, die berufstätig sind und ihre eigenen Familien gegründet haben, wollte sie nicht zur Last fallen. „Ich wollte mir mal ein eigenes Bild von einem Altenheim machen, und so besichtigte ich das St. Ludgeri“, erklärt Frau Eichbaum und ergänzt:

„Ich bin heilfroh, dass ich hier bin“.

Frau Eichbaum hat eine große Familie: Ihre zwei Kinder samt Schwiegersohn und Schwiegertochter sowie neun Enkel und vier Urenkel sieht sie regelmäßig bei Geburtstags- und Weihnachtsfeiern. Wenn sie nach den Feierlichkeiten ins Lebeheim nach Werden zurückkommt, ist sie froh, wenn sie wieder in ihrem Zimmer ist. „Ich freue mich auf die Familienfeiern, aber nach dem ganzen Trubel brauche ich dann auch wieder meine Ruhe“, berichtet Frau Eichbaum lachend.

Tagesstruktur

Jeden Morgen um 7 Uhr steht Ingeborg Eichbaum auf und macht sich zurecht: „Ich schminke mich, seit ich denken kann. Hier haben mich am Anfang viele komisch angeguckt, weil ich rote Schuhe und rote Lippen hatte. Mittlerweile ist das für alle selbstverständlich.“ Danach geht sie in die Wohnküche, deckt den Frühstückstisch und kocht Kaffee für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppe. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Frau Eichbaum.

Nach dem gemeinsamen Frühstück räumt sie die Wohnküche auf (alles freiwillig, wohlgemerkt!), danach zieht sie sich in ihr Zimmer zurück. Vormittags nimmt sie an Betreuungsangeboten teil. Auf dem Stundenplan stehen beispielsweise gemeinsames Singen oder Kraft- und Balancetraining. „Ich mache alles mit“, berichtet Frau Eichbaum. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen, danach räumt sie die Küche auf. Dann ist es meistens schon halb zwei, bis ich mit allem fertig bin.“  Um 16 Uhr trinken alle gemeinsam Kaffee, um 18 Uhr gibt es Abendessen. „Gegen 21 Uhr falle ich todmüde ins Bett“, erzählt sie.

Wer aktiv sein möchte, der kann das hier

Im St. Ludgeri geht es sehr musikalisch zu. „Jeden Mittwochabend gehe ich in die Kapelle zur Chorprobe“, berichtet Frau Eichbaum. Auch am Tanz der Generationen mit Schülerinnen und Schülern der Ludgerusschule nimmt sie teil. „Da tanzen wir mit den Kindern. Wer sich nicht mehr so gut bewegen kann, der wippt einfach mit den Füßen zum Takt der Musik.“  Im Lebeheim finden außerdem viele Konzerte statt, und Geburtstage und Namenstage werden groß gefeiert.

„An Weihnachten ist es am schönsten hier. Ich bin zwar dann bei meiner Familie, aber erlebe die Vorbereitungen auf das große Fest. Gerne würde ich den Weihnachtsabend hier verbringen, aber das kann ich meinen Kindern nicht antun“, lacht Frau Eichbaum. „Ich habe sowieso den Eindruck, dass sie ein bisschen eifersüchtig auf das Altenheim sind. Ich erzähle ihnen ja immer, was wir hier so machen und wie gut wir versorgt werden.“ Über die Pflege- und Betreuungskräfte sagt Frau Eichbaum: „Das Personal ist unglaublich nett, sie haben immer ein offenes Ohr. Die Freundlichkeit ist echt, nicht aufgesetzt. Das merke ich.“

Keine Angst mehr vor dem Tod

Selbstverständlich gibt es auch traurige Momente. Die 80-Jährige hat schon viele Bewohnerinnen und Bewohner kommen und gehen sehen. „Wer hier stirbt, der ist nicht alleine. Die Mitarbeiterinnen sind unglaublich lieb und immer bei den Sterbenden, auch die Bewohner gehen ins Zimmer“, berichtet Frau Eichbaum und betont: „Seit ich das erlebt habe, habe ich keine Angst mehr vor dem Tod.“

2017-04-07T15:50:13+00:00