Alltagsgeschichten

„Hier kann ich sein, wie ich bin“ – Gäste der Tagespflege berichten

Unsere Tagespflege ist ein Ort des Angenommenseins

So angenommen zu werden, wie man ist, sich wohlzufühlen, gemeinsam zu lachen und auch gemeinsam zu weinen, das macht die Tagespflege St. Ludgeri aus Sicht unserer Gäste aus.

Auf die Frage, was ihm an der Tagespflege besonders gut gefällt, antwortet Ernst Hermann Tübben: „Frau Maria!“. Maria Marchwinski hat das Herz am rechten Fleck. Gleichzeitig weiß sie, wie man eine Gruppe von neun Menschen gut miteinander in Einklang bringt, denn bekanntlich ist jeder Mensch anders. Oder um es mit den Worten von Herrn Tübben zu sagen: „Frau Maria bringt eine klare Linie in die Bude“. Der 80-jährige ehemalige Landwirt ist seit zwei Jahren regelmäßiger Gast. „Es ist gut, wenn man auch mal zuhause rauskommt und etwas anderes sieht. Außerdem haben wir hier jede Menge Spaßvögel. Ich nenne das ‚Verbesserungsanstalt’, denn wir sind ja alle aus einem bestimmten Grund hier“, erzählt Herr Tübben.

„Das Wohlbefinden der Gäste steht für uns an erster Stelle“, erzählt Frau Marchwinski. „Jeden Tag aufs Neue zu gestalten und den Wünschen der Gäste so gut wie möglich entgegenzukommen ist unsere Stärke. Wir holen uns in regelmäßigen Abständen eine Rückmeldung unserer Gäste darüber, was ihnen nicht gefällt. Das sind in der Regel Kleinigkeiten. Wünsche berücksichtigen wir gerne. Daran zu arbeiten und das zu verbessern, das macht uns aus.“

Frage in die Runde

Die Gäste werden gerne gefragt, denn so fühlen sie sich beteiligt und angenommen. Sie beschreiben ihre Eindrücke so: „Ich finde es schön, dass ich mich hier nicht ausgegrenzt fühle“, sagt Frau Hagemann. Und Herr Kraft betont, dass er sich in der Gemeinschaft sehr wohlfühlt.

„Ich bin immer wieder angetan von der Fürsorge der Mitarbeiter“, sagt Herr Heuser. Er besucht zweimal wöchentlich die Tagespflege. „Beim ersten Mal hatte ich ein komisches Gefühl. Ich wollte erst nicht hier hingehen, weil ich nicht wusste, was und wer mich da erwartet“, berichtet ein anderer Gast, und ergänzt: „Es hat mir von Anfang an gefallen. Und das Gute ist: Ich werde morgens abgeholt und wieder sicher nach Hause gebracht. Das ist mir wichtig. Dreimal in der Woche muss ich pünktlich aufstehen. Daran musste ich mich in der ersten Zeit gewöhnen.“ Ein anderer Gast betont, dass er die seelische Belastbarkeit der Mitarbeiterinnen sehr bewundert.

Ein Haus voller Lieder

In unserer Tagespflege wird viel und gerne gesungen. „Wir veranstalten häufig ein Wunschkonzert, die Gäste können sich Lieder aussuchen – von Klassik bis Schlager ist alles in unserer Schallplattensammlung und in den Liederbüchern vorhanden“, erzählt Maria Marchwinski. Manchmal braucht es nur ein Stichwort, wie beispielsweise „Freddie Quinn!“. Bei „Seemann, lass das Träumen“ schmettern dann alle mit.

Wenn einer geht…

Doch es gibt auch traurige Momente. Dann, wenn „jemand vor uns gegangen ist“. Ein Satz, der eine Feinheit enthält und die traurige Situation etwas entkräftet.  Kürzlich verstarb ein sehr beliebter Mensch aus unserer Mitte, der immer seine Mundharmonika zückte, wenn gesungen wurde. Um Abschied zu nehmen wird ein Bild des Gastes im Gruppenraum aufgestellt und eine Kerze angezündet. Wir reden über die Augenblicke, die wir gemeinsam mit dem Gast erlebt haben, nicht selten haben die Gäste Tränen in den Augen. Aus einer Ecke hört man auch so etwas wie: „Der Willi war ‚ne Flocke.“ Dann werden Dönekes erzählt, und schon wandelt sich Traurigkeit in Frohsinn. Die Gruppe gedenkt den Verstorbenen auf ihre Weise. „Hier wird ein christlicher Zauber gepflegt“, so nennt unser Gast Herr Tübben das Abschiedsritual.

Alte Zeiten werden wach

Bei uns begegnet man sich, häufig auch überraschend. „Es kommt vor, dass sich Menschen nach Jahrzehnten hier wiedertreffen“, erzählt Frau Marchwinski. So wie bei Herrn Tübben, der nach 40 Jahren einen Freund aus Kindheitstagen wiedergesehen hat. Da gibt es viel zu erzählen, und Erinnerungen werden geweckt.

2017-05-03T12:31:11+00:00